Manchmal kommt ein Geburtstag schneller, als uns lieb ist. Man hat das passende Geschenk gefunden – etwas Schönes, etwas, das bleibt –, und dann steht da eine Lieferzeit, die nicht ganz bis zum Tag reicht. Und schon schleicht sich der Gedanke ein: Dann eben etwas anderes. Etwas, das schneller da ist.

Ich erlebe das oft. Und ich möchte einmal in Ruhe darüber nachdenken – denn ich glaube, dieser Gedanke führt uns in die Irre.

In unserem Shop verkaufen wir mit viel Freude und unsere Artikel werden oft noch hergestellt nach Bestelleingang, manchmal kommt es aber zu Verzögerungen z.B. durch Lagerbestandsfehler oder Artikel die nachbearbietet werden müssen. Das bedeutet dass ein Geschenk auch evtl später ankommt als geplant oder erhofft. Ich erlebe oft dass die Enttäuschung sehr groß ist, wenn das Geschenk nicht rechtzeitig kommt und kann dies sehr gut nachvollziehen. Ich habe meine eigene Einstellung zum Schenken aber nach einer philosophischen Betrachtung jedoch geändert und meine, dass es auch für andere Menschen hilfreich sein könnte wenn ich hier als kleine Information meinen Gedanken über das Schenken und den "versteckten Größenwahn im Kleinen" einmal ein paar Worte sinniere.

Worum geht es beim Schenken wirklich?

Wenn wir jemandem etwas schenken, sagen wir gern: „Hauptsache, er freut sich." Ein schöner Satz. Aber er hat eine feine Doppeldeutigkeit.

Meinen wir die Freude des anderen – die ihm gehört, in seiner eigenen Form, zu seiner eigenen Zeit? Oder meinen wir den einen Moment, den wir uns ausgemalt haben: das Auspacken am richtigen Tag, das Gesicht, die Überraschung?

Und auch heimlich, wie wir nun "dastehen" als Schenkede*r

Beides ist menschlich. Aber nur das eine gehört wirklich dem Beschenkten. Das andere gehört uns – unserer Vorstellung vom perfekten Augenblick. Und es lohnt sich zu fragen, ob wir auf ein Geschenk verzichten würden, das jemandem über Jahre oder sogar Jahrzehnte Freude macht, nur weil ein einzelner Tag nicht ganz passt, weil die Lieferung sich um einige Tage oder ein paar Wochen verspätet. Wer darf urteilen über die Freude des Geschenks? der Schenkende für den einen Moment oder der und die Beschenkte für viele Jahre. Wessen Freude wollen wir wirklich nähren.

Ein ehrlicher Blick tut manchmal en wenig weh, aber er zeigt uns auch unseren Selbstbezug, der aus dieser Perspektive aus nicht immer für uns spricht. 


Was wir nicht erzwingen können

Die Stoiker haben dafür eine kluge Unterscheidung gefunden. Epiktet beginnt sein Handbüchlein der Moral mit dem Gedanken, dass manches in unserer Macht steht und manches nicht: unser Handeln und unsere Haltung schon – die äußeren Umstände, der genaue Lauf der Dinge, nicht.

Das ist kein resignierter Gedanke, sondern ein befreiender. Den exakten Tag, an dem ein Paket ankommt, haben wir nicht in der Hand. Die Geste aber, die Zuwendung, die Sorgfalt der Auswahl – das alles liegt ganz bei uns. Und das ist es, was zählt.

Wer das einmal verinnerlicht hat, lässt sich von ein paar Tagen Wartezeit nicht mehr aus der Ruhe bringen.

Es kommt auf die Haltung an, nicht auf das Tempo

Seneca, ebenfalls ein Stoiker, hat dem Schenken eine ganze Schrift gewidmet – De beneficiis, „Über die Wohltaten". Sein Kerngedanke: Es komme nicht darauf an, was gegeben werde, sondern in welcher Gesinnung. Die Wohltat liege nicht im Gegenstand, sondern in der Haltung des Gebenden.

Man darf das ruhig weiterdenken: Wenn es auf die Haltung ankommt und nicht auf den Gegenstand, dann erst recht nicht auf den Liefertermin. Ein Geschenk, das aus echter Zuwendung gewählt wurde, verliert nichts davon, wenn es ein paar Tage später eintrifft.

Und wenn es bis zum Tag nicht reicht?

Dann gibt es einen einfachen, schönen Weg. Lade dir das Bild deines Geschenks aus dem Shop herunter, drucke es aus und überreiche es mit ein paar persönlichen Zeilen. So hältst du am Festtag etwas in der Hand – die Vorfreude auf das, was unterwegs ist.

Oft ist das sogar der schönere Moment. Der Beschenkte sieht, was du für ihn ausgesucht hast, und darf sich zweimal freuen: erst auf dem Papier, und dann noch einmal, wenn das Stück tatsächlich ankommt. Die Vorfreude ist kein Notbehelf. Sie ist ein eigenes kleines Geschenk.

Geduld gehört dazu

Ein Geburtstag ist ein Datum, kein Notfall. Und Geduld ist beim Schenken keine lästige Pflicht, sondern ein Teil der Vorfreude selbst. Das Warten auf etwas Schönes hat seinen eigenen Wert – es macht das Ankommen kostbarer.

Ich verstehe den Impuls, alles solle rechtzeitig und sofort da sein. Aber das Schönste lässt sich selten beschleunigen. Wer ein Geschenk wählt, das viele Jahre bleibt, beginnt dessen Geschichte ohnehin nicht am Liefertag.

Was bleibt, darf warten

In meinem Laden als Metallmichl habe ich mit Dingen zu tun, die für Jahre und Jahrzente gemacht sind.

Edelrost wird nicht schlechter mit den Jahren, er wird schöner – die Patina vertieft sich, das Stück wächst in seinen Platz im Garten hinein und begleitet seinen Menschen durch die Jahreszeiten, Sommer für Sommer, Winter für Winter.

Ein solches Geschenk misst seinen Wert nicht an einem einzigen Tag. Es misst ihn an all den Jahren, die danach kommen.

Und vielleicht ist das der eigentliche Trost, wenn der Kalender einmal knapp wird: Was wirklich bleibt, darf sich ruhig ein wenig Zeit lassen. Die Freude, die zählt, ist nicht die von einem Nachmittag – es ist die, die jedes Jahr aufs Neue im Garten steht.