Es war eine dieser Nächte, in denen der Herbstwind durch die letzten Blätter raschelte und der Mond so hell schien, dass selbst die Schatten im Garten zu tanzen begannen.
Doch in diesem Garten gab es einen Schatten, der nicht vom Mond kam.
Er gehörte Salem.
Die schwarze Katze saß regungslos zwischen den herabgefallenen Blättern. Auf ihrem Kopf thronte ein spitzer Hexenhut, der bei jedem Windstoß ein wenig wackelte. Tagsüber hielt man Salem für eine wunderschöne Halloween-Dekoration.
Aber sobald die letzte Dämmerung verschwand, war sie etwas ganz anderes.
Sie war die Hüterin des Gartens.
Seit vielen hundert Jahren hatte Salem eine Aufgabe: Sie musste in der Nacht vor Halloween darüber wachen, dass die Grenze zwischen der Welt der Menschen und der Welt der Geister nicht geöffnet wurde.
Und genau an diesem Abend spürte sie, dass etwas nicht stimmte.
Ein kalter Wind strich durch das Gras.
Die Blätter wirbelten auf.
Irgendwo im Garten klapperte ein altes Gartentor.
Salem hob langsam den Kopf.
Unter ihrem Hexenhut begannen ihre Augen geheimnisvoll zu glänzen.
„Sie kommen“, flüsterte sie.
Da ertönte hinter dem alten Baum ein leises:
Krrr... krrr...
Salem sprang auf.
Zwischen den Zweigen erschienen drei kleine Schatten. Erst sahen sie aus wie Nebel. Dann wurden daraus winzige Gestalten mit spitzen Hüten, krummen Nasen und langen Mänteln.
Die Gartenkobolde.
Sie waren jedes Jahr zu Halloween unterwegs und suchten nach einem Garten, in dem sie ihre verbotene Mitternachtsfeier abhalten konnten.
Doch dieses Jahr hatten sie den falschen Garten gewählt.
Salem stellte sich mitten auf den Weg.
„Hier nicht.“
Der größte Kobold grinste.
„Und wer will uns daran hindern?“
Salem zog langsam eine Pfote unter ihrem Umhang hervor.
Darunter hielt sie einen kleinen rostigen Schlüssel.
„Ich.“
Sie drehte den Schlüssel dreimal im Mondlicht.
Klick.
Plötzlich gingen überall im Garten kleine Lichter an.
Ein Windlicht begann zu leuchten.
Eine Fledermaus flatterte über den Zaun.
Die Äste des alten Baumes bewegten sich, obwohl kein Wind mehr ging.
Und aus dem Gebüsch ertönte ein tiefes, geheimnisvolles Knurren.
Die Kobolde erschraken.
„Der Garten ist erwacht!“
Salem lächelte.
„Natürlich. Schließlich ist Halloween.“
Mit einem lauten Kreischen verschwanden die drei Kobolde im Nebel.
Seit dieser Nacht erzählt man sich, dass Salem jedes Jahr am 31. Oktober ihren Platz im Garten einnimmt.
Tagsüber sitzt sie still da.
Doch wenn es dunkel wird und der Mond über den Dächern steht, beginnt ihre eigentliche Arbeit.
Dann bewacht sie die Kürbisse.
Sie erschreckt die frechen Kobolde.
Sie passt auf die kleinen Geister auf.
Und manchmal – wenn jemand ganz genau hinsieht – erkennt man im Mondlicht sogar einen winzigen Schatten, der neben Salem sitzt.
Ihre alte Hexenfreundin.
Denn Salem bewacht den Garten niemals allein.
Und wenn in der Halloween-Nacht plötzlich ein leises „Miau“ aus dem Garten kommt, solltest du besser nicht nachsehen.
Vielleicht hat Salem gerade Besuch.
Oder sie hat gerade jemanden entdeckt, der nicht eingeladen war.
Frohes Halloween – und pass gut auf deinen Garten auf.
Denn in dieser Nacht ist nichts so still, wie es scheint.